Es war einmal ….

Once upon a time …….

Eens op ’n tyd…...

Ein Blauer Montag

Es war ein solcher Tag an dem ganz einfach alles schiefging: erst verpasste ich den Bus zur Arbeit, dann meckerte der Chef den ganzen Tag an mir herum und als ich endlich im Cafe Wocker sass, noch dieser unverschämte Kerl. Doch lass mich von vorne anfangen:

Es war sicher meine eigene Schuld, dass ich verschlafen hatte. Der Wecker hatte pünktlich geklingelt und ich war blinzelnd wach geworden, hatte ebenso blinzelnd festgestellt, dass es draussen regnete – einfach mieses Wetter – hatte natürlich gedacht, so ’n paar Minuten würden nicht schaden und mich nochmal umgedreht – und war prompt eingeschlafen. Als ein Klopfen mich jäh aus meinen Träumen riss und die helle Piepstimme meiner Wirtin sich erkundigte, ob ich krank sei, war es natürlich zu spät. Einen Augenblick hatte ich schon erwogen, ganz einfach „Ja“ zu sagen, „Ja, ich bin krank!“ – doch dann war mein Pflichtgefühl – blödes Gefühl – erwacht und hatte mich aus den Federn getrieben. Rein in die Dusche, raus aus der Dusche – und dann der olle Föhn, der plötzlich nicht mehr wollte; mit trockengeriebenem Haar, das erstbeste Kleid an war ich losgesaust.

Der Bus fuhr mir vor der Nase fort und der nächste Bus, zwanzig Minuten später, war so voll, dass ich mich nur noch mühsam hineinquestschen konnte. Dann, als ich leise ins Büro schleichen wollte, musste ich natürlich ausgerechnet dem Chef in die Arme laufen. Der hatte mich nur gemustert, auf die Uhr geschaut, mir einen vorwurfsvollen Blick zugeworfen und war in sein Büro gerauscht.

Endlich bei meinem Computer angelangt – auch das noch! Ein riesiger Berg Briefe. Eifrig hatte ich drauflos getippt. So schnell liess ich mich doch wieder nicht unterkriegen. Doch so schnell ich die Briefe ablieferte, so schnell kamen sie zurück. Erst waren die Fehler mit einem Bleistift angekreuzt, dann folgte ein Rotstift und zum Schluss war der Chef aus seinem Büro gekommen und es hatte gekracht. Sehnsüchtig hatte ich die Mittagspause erwartet und war mit einem grossen Seufzer unbemerkt davongehuscht.

Als ich in McDonalds stand, wo ich mir immer etwas zum Essen kaufte, dachte ich mir: ‚Mensch, Anne, gönnst dir ’ne Tafel Schokolade.‘ Und als ich diese in der Hand hatte, sagte ich mir: ‚Gönnst dir ’ne gute Tasse Kaffee!‘ Schon war ich losgesaust zum Cafe Wocker, hatte mich, da alles besetzt war, zu einem Herren an den Tisch gesetzt und Kaffee bestellt. Und während ich auf den Kaffee gewartet hatte, war mein Blick auf die Schokolade gefallen. ‚Herrlich!‘ hatte ich gedacht, die Tafel geöffnet, mir ein Stück abgebrochen und es genussvoll auf der Zunge schmelzen lassen.

Doch dann hätte ich mich beinahe verschluckt: da brach sich doch dieser Herr auch ein Stück ab, schaute mir tief in die Augen und steckte es in den Mund. Verblüfft brach ich mir ein weiteres Stück ab. Und er auch! Also so eine Unverschämtheit! Im nu war die Schokolade alle.

Da kam der Kellner und brachte den Kaffee. Der Herr bestellte ebenfalls etwas und der Kellner verschwand.

Immer noch fassungslos tat ich mir sechs Würfel Zucker in den Kaffee statt zwei und ärgerte mich masslos als der freche Kerl mich mit grossen Augen und einem Grinsen anschaute als wolle er sagen: ‚Na, na, Fräulein…‘

Ich schlürfte den heissen Kaffee, verbrannte mir noch die Zunge dabei und in mir brodelte und kochte es.

Wieder kam der Kellner, brachte dem Herren seinen Kaffee und ein gewaltiges Stück Erdbeertorte mit Sahne.

Kaum war er weg, da ergriff ich, erfüllt von Rachegefühlen, das Stück Torte auf die der Kerl gerade die Sahne schaufeln wollte und biss mir ein Stück ab. Fassungslos starrte er mich an, den Teelöffel voller Sahne in der Luft haltend, die Augen immer grösser werdend. Und ich verputzte die Torte! Dann warf ich ihm einen hochmütigen Blick zu und ging hinaus. Dem hatte ich’s aber gegeben!

Wieder im Büro öffne ich rasch meine Handtasche, um mir schnell die Lippen ein wenig nachzuziehen, und… o Schreck – wo kommt denn diese Schokolade her? Ich fühle wie mir das Blut in die Wangen schiesst. Ich hatte mich unmöglich benommen. Die Schokolade… Der Kuchen…

Da öffnet sich die Tür und der Chef kommt herein. Er ist plötzlich guter Dinge. Bei ihm ist der Mann aus dem Cafe.

„Darf ich vorstellen“, sagt der Chef, „Herr Thiemsen, der Direktor von Damas AG.“

„Wir kennen uns schon“, erwidert Herr Thiemsen lächelnd und schaut mir tief in die Augen. Ich versinke im Boden.

Es ist zwei Monate später. Thiemsen ist mein Name, Anne Thiemsen.

Der Montag hatte es wirklich in sich.

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