Es war einmal ….

Once upon a time …….

Eens op ’n tyd…...

Anekdoten aus dem Zululand

Wir hatten unsere Büros im sechsten Stock des Geisteswissenschaftlichen Gebäudes, ganz oben:
erst die Buchhaltung, dann Deutsch und hinten in der Ecke die Theologen.

Ich sagte stets, dass wir ganz nahe am Himmel wären und neckte die Theologen indem ich sagte: „Erst die Finanzen in Ordnung bringen, dann Deutsch lernen und dann kommt man in den Himmel!“
Jedenfalls war es eine lustige Gesellschaft und man hatte so manchen Spass. Weltoffen einige, andere fromm verbohrt, doch immer gab es etwas zum Lachen.

Da unterhielten wir uns einmal über die Trockenheit und dass es in Mtunzini stets regnete während es in Empangeni, dem Nachbarort sehr trocken war. Da mir bewusst war, dass der eine Theologe in Mtunzini wohnte und all die anderen in Empangeni, sagte ich so nebenbei: „Man sieht, dass einer von euch seinen Job gut macht.“
Sofort konterte der eine in Empangeni wohnende Theologe: „Ja, den Gottlosen geht es gut!“

Mit dem Glauben war das auch so eine Sache. Da standen wir mal am Fahrstuhl und das Ding wollte und wollte nicht kommen.
„Der kommt nie, lasst uns die Treppe hinuntergehen!“ sagte der eine Theologe.
Spöttisch sagte ich:“Man muss nur glauben.“ Und sieh da, die Fahrstuhl Tür öffnete sich.

Dann war da der eine Kollege, der immer in der Cafeteria sein Frühstücksbrot auspackte und allen etwas anbot, dann es genussvoll verspeiste weil alle „Danke, nein!“ sagten.
Ich wollte mal seine Reaktion testen und stiftete alle an „Ja“ zu sagen.
Das taten wir dann auch, und das war das Ende des Verspeisens des Frühstückbrotes in der Cafeteria.

Dieser Theologe war sowieso ein komischer Kautz: fromm, fromm, fromm.
Wir kauften Bonus Bonds, eine Staatsanleihe, bei der man nach der Ablaufzeit sein Geld wieder bekam, jedoch ohne Zinsen. Dafür wurde monatlich eine Glücksnummer gezogen und man konnte wie in einer Lotterie viel Geld gewinnen. Jedenfalls sagte der Theologe gleich, es sei Glücksspiel und somit Sünde.
Doch kam derselbe Mann kurz darauf mit einem Glas voller Erbsen: man sollte raten wieviele drinnen seien. Sie sammelten Geld für eine Schülerfahrt. Da sagte ich ihm das sei Glücksspiel, ich hätte zwar selber nichts gegen Glücksspiel, aber wegen seinem Gewissen, würde ich nicht daran teilnehmen. Der finale Höhepunkt dieser Scheinheiligkeit war, als man seinen Sohn mit einem Playboy in der Schule erwischte und jener sagte, er habe ihn im Tresor seines Vaters gefunden.

Dann war da noch Patrick, der zerstreute Kollege aus den Naturwissenschaften. Der wollte unbedingt nach Deutschland auswandern weil hier alles so schlecht war.
Über alles hatte er etwas zu meckern und als ich endlich genug hatte von seinem ewigen Gemeckere, fragte ich ihn warum er nicht ginge. Da gestand er ganz ehrlich ein, dass er sich schon mehrere Male beworben hätte, man ihn aber abgelehnt hätte.
Doch das war nicht der Grund warum ich Patrick erwähnte.
Patrick lief stets mit einer grossen braunen Tasche umher und ein Kollege wollte mal feststellen, was es mit der Tasche so auf sich hatte. Als die Tasche mal allein stand weil Patrick auf dem einsamen Örtchen war, schaute man hinein. Nur Bücher. Ob der die wohl jemals rausnahm? Also wickelte man einen Backstein in braunes Papier und tat ihn in die Tasche.
Die nächsten Tage beobachtete man Patrick. Nichts. Als die Tasche etwa eine Woche später wieder mal allein stand, schaute man hinein. Dieselben Bücher, derselbe Backstein.
Als Patrick zurückkam, fragte ich ihn: „Was hast du denn in der Tasche?“
„Geht dich nichts an“, erwiderte er schnippisch.
„Wann hast du denn das letzte Mal hineingeschaut?“
„Warum? Jeden Tag natürlich.“
Wir lachten. „Ich wette du hast sie mindestens eine Woche lang nicht geöffnet“, sagte ich spöttisch.
Er runzelte die Stirn und ich sagte: „Wetten, dass du Backsteine rumträgst.“
„Blödmann!“ sagte er, runzelte sie Stirn und trank seinen Kaffee.
„Komm, mach sie auf.“
Das tat er dann und schaute verblüfft auf das braune Paket.
„Was ist das?„ Er wickelte den Backstein aus dem Paket und wir lachten uns kaputt.
„Das habt ihr hineingetan als ich auf der Toilette war“, sagte er.
„Das ist schon länger als eine Woche drin“, versicherten wir ihm.
Er wollte es nicht glauben, doch wir hatten unseren Spass.
„Lasst mich in Ruhe,“ brummte er noch, nahm seine Tasche und ging. Der Backstein blieb liegen.
Da manche Leute nie genug bekommen, widerholte man das Spiel und Patrick fiel prompt wieder herein.

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