Lukas war der Angestellte unserer Nachbarn. Ich sage bewusst ‚Angestellte‘, da er dort für alles zuständig war: den Garten, das Haus, woran man auch immer denken konnte, Lukas musste es tun.
Wie alt er war, wusste keiner, doch sein graues Krauselhaar liess darauf schliessen, dass er schon ziemlich betagt war. Man nannte ihn nur kurz ‚Lukas‘ oder ganz einfach ‚Outa‘, was soviel wie ‚alter Vater‘ bedeutete. Er war schon immer da, schon damals als die junge Nonna frisch verheiratet war. Er war dann auch das Kindermädchen für die sieben Kinder, die sie in die Welt setzte und liess sich mit seiner unendlichen Geduld von allen herumkommandieren: „Lukas mach dies, Lukas mach das“! und Lukas trottete los und tat es. Dabei hatte die Ruhe weg mit seiner typisch afrikanischen Mentalität: Morgen ist auch noch ein Tag. Wenn immer ich mit den Nachbarkindern spielte, werkelte Lukas herum und wenn die Kinder ihm einen Auftrag gaben, sagte er stets: „Ja, Kleinbaas!“ oder „Ja, Kleinmies!“ was soviel bedeutete wie ‚Ja, kleiner Herr‘ oder ‚Ja, kleines Fräulein.‘ Und auch ich war sein Kleinbaas. Der Oubaas, der alte Herr, war schon vor einiger Zeit an einem Herzanfall gestorben.
Lukas kam jeden Tag in unseren Laden und kaufte ein halbes Brot und eine Büchse Marmelade. Da ich ihn gut kannte, steckte ich ihm ab und zu ein Stück Kuchen zu und er schätzte das sehr, denn mit seinem kargen Lohn konnte er sich das nicht leisten.
Als Lukas mal wieder sein Brot und die Marmelade holte und ich ihm erzählte, dass die Amerikaner auf dem Mond gelandet seien, schüttelte er den Kopf und meinte: „Hau, hau! Diese Weissen sind sehr klug. Die können alles.“ Dann schaute er mich an und sagte: „Das mit dem Mond landen, das kann ich ja noch verstehen, aber wie die die Marmelade in eine geschlossene Büchse kriegen…“ Er schüttelte nur den Kopf und ging.
Ich wusste, das es keinen Sinn machte zu versuchen ihm das zu erklären.
Als Lukas dann mal eine längere Zeit nicht kam, dachte ich schon etwas schlimmes sei passiert. Doch dann war Lukas wieder da und ich erkundigte mich wo er so lange gewesen sei. Er erzählte mir, er sei bei seiner Mutter gewesen, die schon sehr alt sei.
„Wie alt ist denn deine Mutter?“ wollte ich wissen.
Da dachte er kurz nach und meinte: „Ich weiss nicht, aber ich denke sie ist älter als ich.“
Das war eben Lukas.
Was aus ihm geworden ist, weiss ich nicht. Ich ging an die Uni und verlor Kontakt, kam erst Jahre später wieder in die Ortschaft und alles hatte sich verändert. Die treue Seele Lukas blieb mir jedoch stets in Erinnerung.