Es war einmal ….

Once upon a time …….

Eens op ’n tyd…...

Schwarzarbeit

Peter war einer der vielen Rentner, die sich so nebenher etwas dazu verdienten.

Nicht, dass er es wirklich so nötig hatte, aber es machte ihm Spass und es freute ihn immer, wenn man ihn lobte, ihm versicherte, dass er es so viel besser mache als die Werkstatt.

Die paar Euro, die man ihm so zusteckte, waren selbstverständlich willkommen und ermöglichten es ihm die ein oder andere Anschaffung zu finanzieren. Alles wäre in bester Ordnung wenn da nicht, ja wenn da nicht diese Neider wären, diese Faulenzer, die den ganzen Tag in der Kneipe hockten und nichts besseres zu tun hatten als zu tratschen. Tratschen und Saufen war ihr einziges Vergnügen, und dann natürlich der Neid. ‚Wie konnte der sich das schon wieder leisten?‘ Und da es bekannt war, dass Peter so nebenher Autos reparierte, war die logische Schlussfolgerung: ‚Hat der ein Gewerbe? Darf der das? Zahlt der Steuern?‘

Und so kam es, dass einer der Zechgenossen sich entschloss im Finanzamt mal nachzufragen, anonym natürlich. Man wollte ja schliesslich nicht in die Sache hineingezogen werden.

Im Finanzamt wusste man natürlich nichts von diesem Nebenverdienst und da Fritz Bräuchle ein besonders eifriger Beamter war, ging man der Sache nach.
Nichts dagegen einzuwenden, der tat ja schliesslich nur seinen Job, der Staat braucht ja jeden Cent.
Also entschloss Herr Bräuchle sich diesem Mann mal auf den Zahn zu fühlen. Er war um so eifriger, da er sich am morgen mal wieder über diese Mitarbeiterin geärgert hatte. Diese blöde Kuh, die meinte sie wisse alles besser. Und es ärgerte ihn um so mehr, als es sich herausstellte, dass sie recht hatte. Sie hatte ihn vor allen blosgestellt, ihn, den Chef. Der wollte er mal zeigen wie man mit Steuerbetrügern umging.

„Frau Schulz“, er winkte der Mitarbeiterin kurz zu. Als sie dann in seinem Büro sassen und er sie beauftragte Information über Peter Häberle zu besorgen, konnte er es sich nicht verkneifen zu betonen wie wichtig es sei, dass sie ihren Job richtig mache. Es ging ja schliesslich um einen Kriminellen.

Zwei Tage später war es soweit. Die Schulz hatte die Information besorgt und er musste sich eingestehen, dass sie Ihren Job wirklich gut gemacht hatte. Trotzdem meckerte er, wie immer.
Vergnüglich schilderte er allen, wie er den Häberle drankriegen wolle. Am nächsten Tag würde er hinfahren und ihn in die Falle tappen lassen.

„Häberle“, ein kurzes Schweigen und dann “Aha. Vielen Dank!“
Peter legte den Telefonhöhrer hin und schmunzelte. Interessant.
Schon der zweite Anruf heute. Sehr interessant.

Es klingelte und als Peter die Tür öffnete, stand Fritz Bräuchle vor ihm.
„Guten Tag, Fritz Bräuchle. Ich hatte Sie angerufen.“
„Tag Herr Bräuchle.“ Er gab ihm die Hand. „Wo steht denn das gute Stück?“
„Ah, der alte Bulli! Sieht noch gut und gepflegt aus.“
„Mein ganzer Stolz!“ erwiderte Fritz.
„Und was soll ich tun?“
„Eigentlich nur einen Ölwechsel und eben checken, ob alles OK ist.“
„Machen wir eine kurze Probefahrt!“
Peter stieg in den Bulli und startete ihn. Er sprang sofort an.
Fritz stieg zu ihm ein. „Fahren wir eine Runde!“
Doch kaum waren sie losgefahren da hielt Peter abrupt an und hob beide Hände.
„Was ist denn los?“
“Das klingt gar nicht gut”. Peter schüttelte den Kopf.

“Was ist denn los?” fragte Herr Bräuchle bestürzt.
“Da ist ein leises Summen und Knirschen. Hören Sie mal.”
Er trat auf’s Gas und lies den Wagen langsam vorwärts laufen.
“Da! Hören Sie es?” Da! Da!”
“Ja, ich glaube ich höre da was.”
“Getriebe”, sagte Peter: “Mit dem Wagen können Sie nicht weiterfahren!”
“Was?” fragte Herr Bräuchle entsetzt.

“Sie können froh sein, dass Sie hier sind. Gerade noch rechtzeitig um üblen Schaden zu vermeiden.“
„Aber der Wagen lief doch einwandfrei!?“
„Sie wären unterwegs stehengeblieben. Da haben Sie Glück gehabt. Den müssen Sie abschleppen lassen.“
Herr Bräuchle war nun wirklich bestürzt. Da war er nun her gekommen mit seinem Schmuckstück, um dem Mann eine Falle zu stellen, und nun das. Er hatte angenommen, dass der Rentner sich wahrscheinlich nicht an seinen neuen Wagen mit all der Elektronik getraut hätte und daher extra seinen alten Bulli genommen.
„Kann man den reparieren?“
„Selbstverständlich! Doch in einer regulären Werkstatt wird das teuer.“
„Können Sie das tun? Würden Sie das tun?“
„Das kann ich.“
„Wird das teuer?“
„Na ja, das Teuerste ist die Arbeit, aber die kostet natürlich bei mir nichts.“

„Sie würden ihn wirklich für mich umsonst reparieren?“
„Wenn Sie die Ersatzteile besorgen, mache ich das gerne.“
Herr Bräuchle strahlte. „Kann ich Ihnen nicht trotzdem etwas geben für Ihre ganze Mühe?“
„Dann wäre das kein Hobby mehr. Ne Flasche Cognac wäre aber ganz nett.“ Er schmunzelte.
„Gerne, gerne. Welche Ersatzteile brauchen Sie?“
„Da muss ich erst das Getriebe zerlegen. Ich mail Ihnen eine Liste und wo Sie sie besorgen können.“
„Mach ich. Mach ich.“
„Soll ich Sie nach Hause oder zur Arbeit fahren?“
„Ich muss zur Arbeit. Da rufe ich am besten ein Taxi.“

Nachdem Bräuchle mit dem Taxi abgefahren war, fuhr Peter den Bulli in seinen Schuppen.
‚So ein netter Kerl und doch so ein Schlitzohr‘, dachte er.

Drei Tage später stand Bräuchle wieder vor der Tür um seinen Bulli abzuholen. Er hatte eine grosse Flasche vom besten Cognac dabei und strahlte als Peter ihm den Schlüssel übergab.
„Läuft wie geschmiert!“ sagte Peter.
„Und Sie wollen wirklich nichts für Ihre Arbeit?“
„Passt schon!“ Peter lächelte.
„Ich muss Ihnen etwas gestehen.“ Bräuchle war nun ganz verlegen.
„Ich bin eigentlich vom Finanzamt. Sollte Sie wegen Schwarzarbeit kontrollieren.“
„Was? Wirklich?“
„Ja, jemand hatte Sie angezeigt.“
Peter schüttelte den Kopf. „Na sowas. Wer könnte nur so gemein sein?“
„War leider anonym. Aber irgend jemand hatte es auf Sie abgesehen.“
„Ne Pulle Cognac ist doch keine Bezahlung, oder?“
„Nein nein. Das ist nur ein Dankeschön.“
Peter lächelte. „Also eine Quittung kann ich Ihnen nicht geben, und natürlich auch keine Garantie.“
„Brauch ich nicht. Nochmals vielen Dank!“
„Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag.“
„Danke, danke!“ Überglücklich fuhr Bräuchle davon.

‚Nun noch einen Blumenstrauss bestellen für die nette Dame vom Finanzamt‘ dachte Klaus.
Ihr Anruf kam gerade rechtzeitig. Und die Handynummer vom Anschwärzer hatte er auch.
Um den würde er sich später kümmern, doch nun erst eimal einen Schluck vom wohlverdienten Cognac.
‚Ein guter Tropfen für zehn Minuten kärchern, nicht schlecht‘, dachte er.

Am Abend kam Klaus vorbei seinen Bulli zu holen, frisch überholt.
“Hätt‘ nie gedacht, dass du die Reparatur so preiswert machen kannst. Danke, Kumpel!”
“Keine Ursache.”
“Wie bist du nur so billig an die Ersatzteile gekommen?”
“Tja, man hat halt so seine Beziehungen,” schmunzelte Peter. “Aber wenn du wieder das Getriebe versaust, das nächste Mal wird’s teuer. “

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